SELBSTBEHAUPTUNG · MOBBINGPRÄVENTION

Wenn Stressika provoziert: Wessen Wunsch erfülle ich eigentlich?

Nicht jede Provokation verlangt meine Reaktion. Kinder können lernen, ihren eigenen Wunsch in den Mittelpunkt zu stellen.

Kinderzeichnung aus einer Übung zum Umgang mit Provokationen

„Deine Hose sieht bescheuert aus.“ Was mache ich jetzt? Zurückmeckern? Erklären, warum meine Hose überhaupt nicht bescheuert ist? Stressika überzeugen? Eine Lehrkraft holen?

In meinen Selbstbehauptungs- und Resilienztrainings probieren wir solche Situationen ganz praktisch aus. Dafür gibt es Stressika. Stressika stänkert, provoziert und sagt Dinge, die nicht in Ordnung sind.

Was möchte ich eigentlich gerade?

Eine der ersten Fragen lautet trotzdem nicht: Wie bringe ich Stressika dazu, damit aufzuhören? Sondern: Was möchte ich eigentlich gerade?

Vielleicht möchte ich in der Pause mit anderen Kindern spielen. Vielleicht möchte ich im Unterricht Mathe verstehen. Vielleicht möchte ich einfach einen schönen Tag haben. Stressika möchte in diesem Moment etwas anderes: Aufmerksamkeit, eine Reaktion, vielleicht eine Diskussion.

Wenn ich stehen bleibe, mich rechtfertige oder zurückärgere, bekommt Stressika ziemlich viel von dem, was sie gerade haben wollte.

Andere kann ich nicht steuern – mich selbst schon

Kinder können nicht kontrollieren, was ein anderes Kind sagt oder tut. Sie können aber beeinflussen, wie sie selbst damit umgehen.

Deshalb üben wir, den eigenen Wunsch wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn ich eigentlich spielen möchte, kann ich zu anderen Kindern gehen. Wenn ich Mathe verstehen möchte, kann ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Unterricht richten.

Ich erfülle meinen Wunsch – nicht den von Stressika.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Stressikas Verhalten in Ordnung ist. Aber nicht jede Situation muss ausdiskutiert werden.

Weggehen kann eine starke Entscheidung sein

Gerade wenn jemand mit einer abwertenden Meinung vor allem eine Reaktion provozieren möchte, kann Weggehen sehr wirkungsvoll sein. Häufig erleben Kinder: Gehe ich aus der Situation heraus und wende mich anderen Kindern zu, ist der Spaß für den anderen schnell vorbei.

Das ist etwas anderes als hilfloses Ignorieren. Das Kind trifft eine aktive Entscheidung: „Das hier ist nicht das, was ich möchte. Also kümmere ich mich um das, was ich möchte.“

Und wann hole ich Hilfe?

Nicht wegen jeder unangenehmen Meinung muss sofort eine Lehrkraft eingeschaltet werden. Manche Situationen können Kinder mit guten Strategien selbst lösen. Aber es gibt Grenzen: Wenn körperliche Gewalt ins Spiel kommt, ein Kind bedroht wird, eine Situation nicht aufhört oder es sich nicht sicher fühlt, ist Hilfeholen wichtig. Und es gibt Situationen, in denen Reden und eine klare Grenze notwendig sind.

Kinder sollen nicht lernen: „Ich muss alles alleine lösen.“ Sie sollen lernen: „Ich kann erkennen, was für eine Situation das ist – und dann entscheiden, was mir jetzt hilft.“

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