Kinderrechte: Was haben die eigentlich mit meinem Alltag zu tun?
Rechte kennen, im Alltag wiederfinden – und erleben, dass die eigene Stimme etwas bewirken kann.

„Welche Rechte haben Kinder eigentlich?“ Wenn ich diese Frage in einer Gruppe stelle, kommen meist schnell erste Ideen. Kinder sollen geschützt werden. Sie dürfen spielen. Sie dürfen ihre Meinung sagen. Aber warum brauchen Kinder überhaupt eigene Rechte?
Warum gibt es besondere Rechte für Kinder?
Kinder haben Menschenrechte. Gleichzeitig sind sie in besonderer Weise darauf angewiesen, dass Erwachsene für sie sorgen, sie schützen und ihre Interessen berücksichtigen. Deshalb schauen wir zunächst darauf, warum Kinder besondere Rechte brauchen und wo diese festgehalten sind.
Mit altersgerechten Materialien – unter anderem von UNICEF und Don Bosco – entdecken wir verschiedene Kinderrechte. Dabei interessiert mich weniger, ob ein Kind anschließend möglichst viele Rechte auswendig aufzählen kann. Viel wichtiger ist die Frage: Was bedeutet dieses Recht eigentlich in meinem Leben?
Ein Recht auf Information bedeutet nicht automatisch ein Recht aufs Handy
Genau an solchen Stellen wird es spannend. Kinder erfahren beispielsweise, dass sie ein Recht darauf haben, sich zu informieren und ihre Meinung zu äußern. Aber bedeutet ein Recht auf Information deshalb, dass Eltern ihrem Kind ein eigenes Smartphone kaufen müssen? Nein.
Kinderrechte sind keine Wunschliste. Wir schauen gemeinsam auf konkrete Situationen: Welches Kinderrecht könnte hier eine Rolle spielen? Wird es berücksichtigt? Und was bedeutet das ganz praktisch?
Meine Rechte – und die Rechte der anderen
Dann kommt ein Gedanke ins Spiel, der sich durch viele meiner Trainings zieht: Wenn ich möchte, dass andere meine Rechte achten, muss ich auch die Rechte anderer achten.
Mein Recht auf eine eigene Meinung bedeutet nicht, dass ich einen anderen Menschen mit meiner Meinung verletzen muss. Mein Recht, gehört zu werden, bedeutet nicht, dass nur ich sprechen darf. Und wenn ich möchte, dass meine Grenzen respektiert werden, gehören auch die Grenzen anderer Menschen dazu.
Wo erleben wir Kinderrechte schon?
Je nach Alter kann die Auseinandersetzung sehr unterschiedlich aussehen: Situationen mit Figuren darstellen, malen und schreiben, die eigene Hand aufzeichnen und darin festhalten, welches Kinderrecht besonders wichtig ist – oder gemeinsam untersuchen, wo Kinder in Schule, Hort, Kita oder Verein bereits mitbestimmen können.

Kinderrechte werden lebendig, wenn Beteiligung echt wird
Besonders spannend wird es, wenn Kinderrechte nicht bei einem Projekttag bleiben. Beim Eintracht Falkensee e.V. habe ich die Einführung des Kinderparlaments begleitet und die Kinder zum Start altersgerecht an Kinderrechte und Mitbestimmung herangeführt.

So wird aus einem zunächst abstrakten Recht auf Beteiligung etwas Konkretes: Kinder erleben, dass ihre Sicht gefragt ist, dass sie sich einbringen dürfen und dass Mitbestimmung einen festen Platz bekommen kann.
Zum Bericht von Eintracht Falkensee über den Start des Kinderparlaments →
Dafür müssen Kinder ihre Rechte zunächst kennen. Denn nur wenn ich weiß, dass ich ein Recht habe, kann ich erkennen, wenn es berührt wird – und lernen, mich für mich selbst und andere einzusetzen.

